CAPTN Förde Areal erhält weitere Förderung zur Erprobung der autonomen Schifffahrt

29. Mai 2026

Kiel, 28. Mai 2026 – Die Forschung zur (teil-)autonomen Schifffahrt wird weiter ausgebaut: Mit der heutigen Übergabe des Förderbescheids durch den Bundesverkehrsminister startet das Projekt „Förde Areal“ der Kieler CAPTN-Initiative offiziell in seine dritte Phase.

Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) übergab heute am Kieler Seefischmarkt – im Beisein von Schleswig-Holsteins Verkehrs-, Wirtschafts- und Technologieminister Claus Ruhe Madsen (CDU), der Präsidien der Kieler Hochschulen Christian-Albrechts-Universität und Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) Kiel – den Bescheid für eine Förderung des Verbundprojektes CAPTN Förde Areal 3 im Rahmen der Förderrichtlinie „Digitale Testfelder Wasserstraßen III“ (DTW III) in Höhe von 3,3 Mio. Euro an die geschäftsführenden Pesonen der beteiligten Projektpartner.

„Wir stärken mit dem Projekt CAPTN Förde Areal III die Innovationskraft Deutschlands im Bereich der maritimen Technologien und treiben die Transformation zu klimafreundlicher und autonomer Schifffahrt aktiv voran. Eine emissionsfreie, autonome und vernetzte Personenfähre kann künftig die Querung der Kieler Förde revolutionieren. Bürgerinnen und Bürger sollen sicher, zügig und umweltfreundlich über das Wasser in der Stadt befördert werden. So entwickelt sich die Kieler Förde immer mehr zu einem europäischen Vorreiter für maritime Innovation“, erklärte Bundesverkehrsminster Patrick Schnieder.

Interdisziplinäre, zukunftsgerichtete Forschung und Entwicklung

Das Vorhaben Förde Areal ist Teil der CAPTN-Initiative und interdisziplinär angelegt. Das Projektkonsortium besteht aus der F&E GmbH (vormals Forschungs- und Entwicklungszentrum FH Kiel GmbH), der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU), der ADDIX GmbH, der Anschütz GmbH und der Wissenschaftszentrum Kiel GmbH. Forschende der HAW Kiel sind ebenfalls beteiligt. Die Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft arbeiten gemeinsam daran, neue Technologien für die maritime Mobilität zu entwickeln und unter realen Bedingungen zu erproben.

Nach dem Bau des Forschungskatamarans MS „Wavelab“, dem Aufbau des digitalen Testfelds in Kiel und eines 2-jährigen Versuchsbetriebs im Rahmen der ersten beiden DTWFörderprogramme liegt der Fokus in der dritten Projektphase von Förde Areal nun darauf, autonome Schifffahrt einen entscheidenden Schritt näher an die praktische Anwendung zu bringen.

Von der Forschung in die Anwendung

Förde Areal 3 verfolgt dazu das Ziel, hochautomatisierte und autonome Funktionen an der MS „Wavelab“ unter realen Bedingungen im digitalen Testfeld Kieler Förde zu erproben und weiterzuentwickeln. Dazu werden unter anderem Umfelderfassung, Navigation, Kommunikation und Entscheidungsprozesse mithilfe von KI verbessert und eng miteinander verzahnt. So soll schrittweise ein System entstehen, das auch in komplexen und dynamischen Umgebungen sicher operieren kann.

„Förde Areal 3 steht für den nächsten Schritt aus der Forschung zur Anwendung. Gemeinsam mit unseren Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft wollen wir als F&E GmbH Zukunftstechnologien aus der Wissenschaft entwickeln und in den realen Einsatz bringen. Unser Anspruch ist es, die Mobilität von morgen konkret zu gestalten – sicher, nachhaltig und für die Menschen unmittelbar nutzbar.“ – Tim Kraemer, Geschäftsführer der F&E GmbH

Im Zentrum des wissenschaftlichen Interesses steht der Einsatz Künstlicher Intelligenz, um autonome Systeme leistungsfähiger, sicherer und nachvollziehbarer zu machen. Ziel ist es insbesondere, Objekte, Gefahren und komplexe Verkehrssituationen zuverlässiger zu erkennen, Navigationsentscheidungen und adaptive Bahnführungen durch lernfähige Modelle zu optimieren sowie autonome Entscheidungen verständlich und erklärbar zu gestalten.

„Die Komplexität von Navigationsaufgaben, insbesondere im Bereich der Lagebildanalyse und Entscheidungsfindung, erfordert in autonomen Systemen den Einsatz Künstlicher Intelligenz. Die Ergebnisse dieser KI-Prozesse müssen jedoch jederzeit nachvollziehbar und überprüfbar sein. Dies ist eine Herausforderung, der sich die Forschung nicht nur in diesem Kontext stellen muss, und die wir als CAU angenommen haben.“ – Prof. Dr. Ralph Schneider, Vizepräsident der CAU

Gleichzeitig wird praxisorientiert – u.a. am Umsetzungskonzept einer Personenfähre in Kiel und durch die Entwicklung von Strategien zu Sicherheit und Zulassung sowie durch entsprechende Normungsarbeit – an den technischen, formalen und organisatorischen Voraussetzungen gearbeitet, um die neuen Technologien bspw. im Bereich von Navigations- und Kommunikationslösungen künftig auch im Regelbetrieb und in kommerziellen Produkten einsetzen zu können.

“Die CAPTN Förderprojekte haben die Grundlage für ein einzigartiges maritimes Testfeld geschaffen, in dem wir autonome Navigation unter Realbedingungen entwickeln, erproben und vorantreiben konnten. Mit Förde Areal 3 realisieren wir nun hochautomatisierte und autonome Schifffahrt auf der Kieler Förde und überführen damit unsere Entwicklungen in die echte Anwendung. Das stärkt technologische Souveränität und internationale Wettbewerbsfähigkeit, erschließt kommerzielle Einsatzfelder, etwa für Fähren und Assistenzsysteme auf Schiffen, und unterstützt dual-use Vorhaben wie beispielsweise den Schutz kritischer Infrastruktur.“ – Andreas Weidner, Geschäftsführer der Anschütz GmbH.

„Für den Schritt von der Forschung in den realen Betrieb braucht autonome Schifffahrt vor allem sichere Kommunikation, verlässliche Sensordaten und ein belastbares Lagebild. Genau hier setzt ADDIX an: Wir wollen dazu beitragen, dass aus dem digitalen Testfeld praxistaugliche Lösungen für sichere Navigation, Fernsteuerung und künftig autonome maritime Anwendungen entstehen.“ – Björn Schwarze, Geschäftsführer der ADDIX GmbH.

Impuls für den Innovationsstandort Kiel

Mit Förde Areal 3 werden MS „Wavelab“ und die Kieler Förde weiter als Reallabor für autonome maritime Mobilität entwickelt. Das Projekt verbindet Forschung, Industrie und Anwendung – es stärkt die Kompetenzen der beteiligten Partner im Bereich Maritimer Technologien und schafft die Grundlage dafür, dass autonome Schifffahrt künftig sicher, effizient und im Alltag nutzbar wird.

„Die Entwicklung autonomen Fahrens auf dem Wasser wird mit dem Förde Areal-Projekt konsequent vorangetrieben. Kiel hat sich mit dem CAPTN Initiative, das erneut erhebliche Fördermittel vom Bund eingeworben hat, zu einem Hotspot bei der Entwicklung autonomer maritimer Mobilität entwickelt. Hier passiert Technologietransfer auf Hightech-Niveau. Die „Wavelab“ stellt die Leistungsfähigkeit und -bereitschaft von Hochschulen und Wirtschaft unter Beweis. Ich bin überzeugt, dass es uns in den nächsten Jahren gelingen wird, eine erste autonom fahrende Fährverbindung in Kiel in Fahrt zu bringen.“- Claus Ruhe Madsen, Minister für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus.

Förde Areal 3 ist in vier Arbeitspakete (AP) gegliedert:

  • AP 1 fokussiert den Betrieb, die Weiterentwicklung und sichere Erprobung der MS „Wavelab“ sowie deren verbesserte eigenständige Manövrierfähigkeit.
  • Das zweite AP befasst sich mit der Weiterentwicklung der Infrastruktur. Dazu zählen landseitige Sensorik, Anpassungen am Anleger, adaptive, leistungsfähige Kommunikation mit dem Kontrollzentrum sowie die Videostream-Optimierung.
  • Mit den eigentlichen autonomen Funktionen – darunter Lagebilderfassung, Umfeld- und Anomalieerkennung, KVR-konformer Kollisionsvermeidung und autonomer Navigation beschäftigen sich die Projektpartner im AP 3.
  • AP 4 widmet sich den Voraussetzungen für den späteren Einsatz: Sicherheit von KISystemen, die Entwicklung eines Umsetzungskonzeptes für eine autonome Personenfähre, Normung und Zulassung, sowie die Vernetzung mit nationalen und internationalen Initiativen.

Das Projekt läuft vom 01.12.2025 bis 30.09.2028